Mietnomade sucht Anker-Ort

Marie, 27, Studentin aus Berlin hat gerade eine WG gegründet. Die große Altbauwohnung im Prenzlauer Berg bietet Platz für fünf Leute, trotzdem vermietet Marie die meisten Zimmer nur auf Zeit. Viele ihrer Mitbewohner kommen aus dem Ausland, bleiben nur für ein Praktikum oder das Erasmussemester. Spätestens nach einem Jahr, sind die meisten wieder weg. Das bringt Arbeit mit sich, aber die Medizinstudentin holt sich so auch ein wenig die Welt ins Haus, wenn sie schon hier bleiben und für die Examen lernen muss. Clara und Sebastian, die Nachbarn aus dem Haus gegenüber, haben hingegen das Wohnungstauschprinzip für sich entdeckt. Zum Überwintern zieht es das Paar regelmäßig in südliche Gefilde. Arbeiten können die freien Grafikdesigner schließlich überall. Weshalb also die Minustemperaturen daheim ertragen?

Globalisierung, Digitalisierung und technischer Fortschritt haben unsere Lebensgewohnheiten in den letzten Jahrzehnten ganz schön durcheinander gewirbelt. Neue Arbeits- und Wohnmodelle sind entstanden, die uns einerseits eine enorme Flexibilität ermöglichen, uns andererseits aber auch viel abverlangen. Zum Beispiel ein großes Organisationstalent.

Bäumchen wechsel Dich

Das gilt nicht nur fürs Berufliche, wo die Bereitschaft regelmäßig zu reisen oder gar für längere Zeiträume den Ort zu wechseln, oftmals schon zur Jobbeschreibung gehört sondern auch für unser Privatleben. Denn auch in unserer Freizeit sind wir zunehmend unterwegs, nicht zuletzt weil Städtetrips dank der Billigairlines nun auch für Geringverdiener erschwinglich sind und Auslandssemester längst zum Pflichtprogramm eines Studiums gehören. Auch die Anzahl der Fernbeziehungen wächst. Jedes achte Paar in Deutschland liebte 2016 bereits auf Distanz.

So wie Mara aus Köln. Die freie Journalistin mit zwei Jobs und zwei Wohnungen, pendelt beruflich zwischen Frankfurt und Köln hin und her. Ihr Hab und Gut hat sie sorgsam auf Main- und Rheingebiet aufgeteilt. Viel Fahrerei aber eine Festanstellung zu finden ist schwierig und irgendwie ist Mara ja auch gern unterwegs. Ihr Freund Jan, ein Werbetexter, lässt sich hingegen bewusst nur für befristete Projekte in Düsseldorf, Hamburg oder München buchen, damit ihm Zeit fürs Reisen bleibt. Gar nicht so einfach, sich da mit Maras Arbeitsplänen abzustimmen.

Wer sich zuletzt bewegt, hat verloren

Während in den frühen 70ern ein fester Wohnsitz und „geordnete Familienverhältnisse“ zum guten Ton gehörten – nur Streuner und Vagabunden hatten keine vorzuweisen – zählt grenzenlose Flexibilität inzwischen als klarer Wettbewerbsvorteil. Das gilt für alle Lebensbereiche. Wer nie den Heimatort verlassen hat, wirkt uncool. Wer die Jugendliebe heiratet als spießig und wer seit dem Studium bei der gleichen Firma sitzt, dem werden schnell mangelnde Ambitionen unterstellt.

An dem menschlichen Bedürfnis sich zu Hause zu fühlen, hat das nichts geändert. Einen Ort zu finden, an dem man sicher und geborgen ist, ist wichtig, um sich verortet zu fühlen. Vertraute Straßen, Menschen oder Gegenstände, die mit Erinnerungen an unser Leben belegt sind oder unsere Wünsche, Träume und Vorlieben spiegeln, helfen uns dabei, uns zu vergewissern wer wir sind. Und wo im Leben wir gerade stehen. Fehlt all das, gerät unser inneres Gleichgewicht schnell ins Wanken.

Weltenbummler verortet Euch

Der Soziologie Hartmut Rosa bestärkt uns deshalb darin, trotz aller Weltenbummelei, Anker-Orte zu schaffen. Orte, an die wir zurückkehren und an denen wir auftanken können. Denn frei zu sein fühlt sich zwar gut an – freischwebend zu sein hingegen nicht. Und kann zu echten Identitätsproblemen führen. Trends wie Cocooning, der Boom von Interiorblogs oder der Siegeszug des Modeworts Hygge, das im dänischen für Gemütlichkeit steht, zeugen davon, dass die Nomaden unter uns schon längst dabei sind solche Anker zu schaffen. Und ein zu Hause, an dem sie ankommen können. Nicht obwohl, sondern gerade weil sie schon kurz darauf wieder los müssen.

Die wachsende Gesellschaft der Mietnomaden zwingt auch die Versicherungsbranche zum Umdenken. Denn auch das Bedürfnis Hausrats-oder Haftpflichtversicherungen digital abzuschließen wächst mit dem unsteten Lebenswandel. Das zeigt auch eine Studie des F. A. Z Instituts. 70 Prozent der Versicherer, die befragt wurden, spüren den Druck bereits, den neuen Erwartungen einer jungen Generation gerecht zu werden. One Insurance hat auf die neuen Bedürfnisse als einer der ersten Anbieter reagiert. Und eine Hausrats- und Haftpflichtversicherung entwickelt, die via App abgeschlossen, einfach bedient und digital verwaltet werden kann.