Interview mit MELINA

Nicht lange fackeln, einfach machen – das ist die Devise von MELINA. Die Hamburger DJ ist direkt ins kalte Wasser gesprungen und hat sich die Skills an den Turntables kurzehand beim Auflegen selbst beigebracht. Inzwischen arbeitet sie zusammen mit ihren Mitstreitern am Aufbau eines eigenen Labels und veranstaltet regelmäßig Parties in Berlin.

JULIANE RUMP: Als DJ ist man viel unterwegs und muss oft die Nacht zum Tag machen. Was treibst du, wenn du nicht gerade an den Turntables stehst?
MELINA: Ich studiere noch, aber wenn es die Uni zulässt gehe ich viel mit meinem Partner Jakob Seidensticker ins Studio und arbeite mit ihm, Boronas und Snad am Aufbau unseres Labels „We are the Aliens“
JR: Wann und wie hast du deine Liebe zur elektronischen Musik und zum Auflegen entdeckt?
MELINA: Das habe ich meinen Eltern zu verdanken. Sie haben immer viel elektronische Musik, wie etwa Armand van Helden, Colonel Abrams oder Underground Solution, gehört. Dazu eine Menge Grace Jones und Depeche Mode und Simple Minds. Man kann sagen, vieles wurde mir von ihnen beigebracht. Zum Auflegen kam ich durch meine vielen Jahre im Club. Ich habe lange Zeit an der Bar, als Künstlerbetreuung und Durchführung gearbeitet. Irgendwann hatte ich das Gefühl, dass alle das Gleiche spielen und ich etwas unternehmen muss (lacht).
JR: Wer elektronische Musik machen will, muss Technik beherrschen. Wie lange hat es gedauert, bist du soweit warst, in einem Club auflegen zu können? Hattest du eine Mentorin oder einen Mentor oder bist du Autodidakt?
MELINA: In einer intensiveren Session mit einem Freund habe ich vor einigen Jahren die absoluten Basics gelernt. Meine ersten Gigs hatte ich recht spontan und ohne Ankündigungen in Hamburg und London – von da ab habe ich alles beim Spielen gelernt. Es gibt da unterschiedliche Meinungen. Viele sagen, man müsse erst perfekt sein, um im Club zu spielen. Ich denke, dass lernen an analogen Turntables und Playern hat mir hierbei in die Karten gespielt.
JR: Und wie würdest du deine Musik beschreiben?
MELINA: Ich mag die klassischen House-Sounds, dazu gern technoidere Stile, old school-elektro Produktionen und experimentelleres. Es muss grooven.
JR: Wie hast du es geschafft, dich als DJ zu etablieren? Irgendwelche Tipps für den Nachwuchs?
MELINA: Ich habe als Frau, ohne Crew und Gefolgschaft, alleine gespielt und habe mich dabei soundmäßig von den anderen in Hamburg, die immer trance-iger, technoider wurden unterschieden. Durch meine viele Arbeit im Nachtleben hatte ich dazu – was wohl am entscheidendsten ist – auch viele Kontakte und habe deshalb schnell in den größeren Läden und auf den größeren Bühnen spielen können. Ein Netzwerk knüpfen und pflegen wäre zum Beispiel ein Tipp. Den ganz individuellen Sound kreieren auch. So kam ich beispielweise auch zum Produzieren – weil ich nichts mehr fand, aus dem ich Inspiration schöpfen konnte.

JR: Wo in Hamburg werden zurzeit die wildesten Partys gefeiert?
MELINA: Ganz klar im PAL, die sind im Line-up sehr stark. Aber auch im Uebel und Gefährlich hatte ich in letzter Zeit sehr gute Gigs.
JR: Du legst auch oft in Berlin auf – unterscheidet sich das Publikum in den beiden Städten?
MELINA: Ja, sehr! Die Hamburger Clublandschaft ist viel intimer als die Berliner. Berlin ist durch das große Ausmaß an Tourismus – grade durch und für die Partys – viel durchmischter und deshalb auch diverser in ihren musikalischen Präferenzen. Hamburg hat häufig eine ganz klare Vorstellung von „einem guten Set“.
JR: In welchem Club – national oder international – würdest du gerne mal auflegen?
MELINA: Wenn ich es mal geschafft habe, dann spiele ich im Robert Johnson, Offenbach oder im Concrete, Paris.
JR: Die Festivalsaison steht vor der Tür. Legst du lieber auf Open Airs oder lieber in Clubs auf?
MELINA: Tagsüber lege ich sehr gerne draußen auf. Ab leider sind die meisten Open-Airs immer recht weit draußen und da ich kein Fan vom Zelten bin, letztendlich nicht so reizvoll für mich. So ein Club Gig in der Nacht ist was Ehrliches.
JR: Wo kann man dich als nächstes spielen sehen?
MELINA: In Berlin machen Jakob, Snad und ich halbjährlich unsere eigene Partyreihe „Time Unlimited“ im Anita Berber. Zur nächsten Party am 18.05.18. haben wir uns dieses Mal HEAR eingeladen.

Zum Sound von MELINA geht es hier entlang.

Interview: Juliane Rump