Interview mit BRUNA

Wer die DJ BRUNA an den Reglern erlebt, wird sich ihrer sprühenden Leidenschaft für Musik nicht lange entziehen können. Ob melodiösen oder treibend – die Hamburgerin kreiert einen Sound, der sofort in die Tanzbeine geht.

JULIANE RUMP: Wenn man dich an den Turntables erlebt, spürt man gleich deine Liebe zur Musik. Du widmest dich ihr aber nicht nur als DJ, sondern lebst sie auch in anderen Bereichen deines Lebens.

BRUNA: Voll schön sowas zu hören, das berührt mich sehr. Seit Januar 2018 betreibe ich zusammen mit meiner Kollegin Gülay und der sozialen Organisation „Clubkinder“ die Veranstaltungsreihe „Bruna & Kollektiv im weltweit einzigen Spendenclub der Welt „Unterm Strich“. Der Antrieb für diese Veranstaltungsreihe war ambitionierte Nachwuchs DJs zu fördern und nebenbei mit den Eintrittsgeldern, Spenden zu sammeln. Ich möchte unbedingt in der elektronischen Kulturszene in Hamburg etwas bewegen und talentierten Nachwuchs eine Plattform geben, damit sie sich entfalten und ihr Talent entdecken können. Seit kurzem unterstütze ich André Itjes bei seiner Radiosendung „Urbanissimo – Unterwegs in der Großstadt“ auf Tide Radio. Dort spiele ich kleine Live Sets ein und verkünde die heißesten Veranstaltungstipps rund um Hamburg City. Außerdem bin ich Mitglied der Somnium Veranstaltungsreihe. Wie du siehst, mangelt es nicht an Musik in meinem Leben (lacht).

JR: Du hast brasilianische Wurzeln – was hältst du von Klischees wie „Südamerikaner haben den Rhythmus im Blut“? Wahr oder quatsch? Nervig oder schmeichelhaft?

BRUNA: Ich muss ganz ehrlich sagen – ein bisschen Wahrheit steckt schon drin. Ich kenne keinen Südamerikaner, der nicht tanzen kann. Es gibt bestimmt die einen oder anderen die kein Rhythmus im Blut haben, man kann nicht alle in einen Topf stecken. Ich bin immer sehr vorsichtig mit Klischees, aber irgendwo ist dieses doch recht schmeichelhaft.

JR: Wann und wie hast du deine Liebe zur elektronischen Musik entdeckt?

BRUNA: Das war im Jahre 1999. Da war ich 8 Jahre alt und war in Portugal in Algarve mit meiner Familie. Ich erinnere mich, dass wir am Strandhaus waren und nebenbei „Till I Come“ von Tiesto lief. Diese Leichtigkeit im Track und diese Melodie berührt mich bis heute. Meine ältere Schwester hat damals viel Trance gehört und so kam ich dann auch näher zur elektronischen Musik. Ich habe mir damals die „Tunnel Trance“ und „Dream Dance“ gekauft, das waren noch Zeiten (lacht). Mit 17 Jahren habe ich die elektronische Szene in Hamburg kennengelernt und bin viel und exzessiv feiern gegangen bevor ich selbst aufgelegt habe. Meine Feierzeit war sehr wichtig für meinen musikalischen Werdegang, denn dort habe ich diese emotionale Verbundenheit, den Einklang von Mensch und Musik kennengelernt und – ohne zu wissen – Kontakte geknüpft. Die kamen mir dann zugute, als ich angefangen habe, selbst aufzulegen. Ich habe lange gebraucht, bis ich mich getraut habe, mich vor Publikum hinter an die Regler zu stellen. Aber letztendlich war die Leidenschaft zur Musik größer als die Unsicherheit.

JR: Und wie würdest du deinen Sound beschreiben?

BRUNA: Ich wandle zwischen einem melodiösen, träumerischen und einem treibenden Sound. Mir ist es wichtig, dass das was ich spiele eine Tiefe hat. Ich spiele das, was mich wiederspiegelt. Einfach Bruna.

JR: Gibt es einen DJ, der dich inspiriert und mit dem du gerne einmal zusammen hinter den Turntables stehen würdest?

BRUNA: Carl Cox. Wie er auflegt, da fällt einen die Kinnlade runter – sensationell. Ich finde, er hat einem so unglaublichen Gefühl für Rhythmus und Beats. Ich spüre seine Leidenschaft und das schätze ich sehr. Ich glaube, die Kombination von Carl und mir würde auch unglaublich witzig aussehen, der Große und ich daneben. Bruna b2b Carl Cox. Das wäre schon grandios.

JR: Am 4. August spielst du auf dem Hamburger Vogelball. Ist es ein Unterschied auf Festivals oder in Clubs aufzulegen?

BRUNA: Definitiv. Es macht für mich enorm viel aus ob man Wände hat oder nicht. Zum Beispiel kann ein Track eine ganz andere Wirkung erzeugen, wenn man ihn im Club spielt als draußen. Im Club ist man eingeschlossen und in der Natur hat man eine unbegrenzte Weite. Manche Tracks spiele ich lieber im Club und andere lieber im Freien. Im Freien gibt es keine räumlichen Grenzen, ein Gefühl von Freiheit. Für mich vereint sich meine Liebe zur Natur mit der Liebe zur Musik – was gibt es Schöneres.

JR: Gibt es einen Club in dem du unbedingt einmal auflegen willst?

BRUNA: Ick liebe ja Berlin und wäre gerne mal im Sisyphos hinter den Decks.

Zu BRUNAs Sound geht es hier entlang.

Interview: Juliane Rump Foto: Chris Lohfeld