Draußen durch den Sommer tanzen

Die Open-Air-Saison ist uns eröffnet und bittet zum Tanz unter freien Himmel. Aber welche Festivals sollte man mal besuchen? Die großen deutschen Schwesterfestivals Rock am Ring und Rock im Park, sowie das Southside und Hurricane im Juni sind längst ausverkauft, aber die lohnen sich ohnehin nur für alle, die mehr Wert auf Eventcharakter als auf Livemusik legen, und die sich zwischen Bierdusche, riesigen Zeltplätzen mit wenig Schlaf und viel Lärm und großem Festivalgelände ohne Charme wohl fühlen.
Anders gestalten sich Festivals wie das Melt und Splash im Juli, die in Gräfenhainichen mehrere Bühnen zwischen riesigen Kränen stehen haben und wo statt XL-T-Shirt-Träger mit Totenkopftattoo die Glitter-im-Gesicht-Fraktion auf Post-Hippies trifft. Aber auch dazu gibt es Alternativen, die sich lohnen. ONE hat für euch die besten in In- und Ausland zusammen.

Sacred Ground Festival
Das Sacred Ground Festival gilt noch immer als Geheimtip in ländlicher Idylle. Neben handverlesener Musik von renommierten DJs, Bands und Live-Artists wie beispielsweise Jennifer Cardini, Tired Eyes Kingdom, Jalen N’Gonda, Dapayk & Padberg und Marsmobil setzen die Kuratoren RY X, der selbstverständlich auch auf der Bühne stehen wird, und Frank Wiedemann den Schwerpunkt auf außergewöhnliche Kunst- und Lichtinstallationen sowie auf kulinarische Genüsse. Es gibt keine Sponsoren, keine VIP- oder Backstage-Bereiche und die Ticketanzahl ist sehr limitiert. Alles, um ein intensives persönliches Festivalerlebnis zu schaffen und die Künstler*innen und das Publikum näher aneinander zu bringen. Anliegen der beiden Initiatoren ist es, die Gäste für neue und unkonventionelle Musik zu begeistern. Viel Liebe zum Detail kennzeichnet die kreative Gestaltung des Festivals. Auf dem Gelände findet sich eine Mainstage, eine Zeltbühne, wo man bis in die Morgenstunden tanzen kann, eine kuratierte Ambient Area und eine Dorfkirche, die eine Location für kleine musikalische Highlights wie intime Acoustic-Sessions ist. Dank der engen Verbundenheit unter den auftretenden Künstler*innen kann man an den verschiedenen Bühnen einzigartige Symbiosen, Kollaborationen und Jam-Sessions erleben.
Sacred Ground Festival, 13. bis 15. Juli 2018, Trampe in der Uckermark, sacredground.de

VOGELBALL
Die Schwarmzeit beginnt – und damit auch der VOGELBALL! Die größte Piep-Show des Nordens lässt den 4. August zum schillerndsten Samstag des Jahres werden. Der queere Maskenball versammelt alljährlich kunterbunte Schwärme zu elektronischen Klängen und bittet ein achtes Mal zum wilden Balztanz.
Das für Offenheit und Akzeptanz stehende Festival vereint zahlreiche Paradiesvögel auf der Bühne. Neben Honey Dijon, einer der aktuell gefragtesten House DJs, wird unter anderen Kim Ann Foxman mit ihren ekstatischen Ballroom-Hymnen zu hören sein.
Der moderne Sound der aus Tel Aviv stammenden Sängerin Noga Erez vertritt die Stimme einer jungen israelischen Generation die den Ideen Netanyahus widersprechen. Ihre wirkmächtigen, unbehaglichen Sounds animieren zu abgezirkelten Tanzbewegungen und runden das diesjährige elektronische Vogelgezwitscher ab. Inmitten von Goldkehlchen, Nachteulen und anderen Piepmätzen, bunten Federn, üppigem Glitzer und extravaganten Schnabelmasken wird mit dem VOGELBALL ein Spielraum erweitert, indem sich jeder ausleben kann.
Vogelball, 4. August, Hamburg, facebook.com/VOGELBALL

Sziget Festival
Dass das Festival den Untertitel „The Island of Freedom“ trägt, ist kein Zufall. Dort ereignet sich tatsächlich jedes Jahr Außergewöhnliches – ein vielfältiges Programm aus Musik, Theater, Kunst oder auch Sport. 400.000 Fans schlagen ihre Zelte auf und gestalten ihre Zeit dort wie einen Abenteuerurlaub.
Für das einwöchige Festival wird eine der drei Stadtinseln von Budapest, „Óbudai“ oder auch „Hajógyári-sziget“ genannt, wird im Sommer als Location genutzt. Mehr als 1000 Musiker und Künstler auf rund 60 Bühnen treten auf. Vom unbekannten Theaterensemble bis zum internationalen Superstar der Musikbranche bieten die Macher alles zwischen partytauglichem Mainstream und Anspruch: Bunt und abwechslungsreich, so präsentiert sich das Sziget auch in diesem Jahr. Von Cigarettes after Sex über Liam Gallagher und Fever Ray bis hin zu Fink.
Sziget Festival, 08.-15. August, Budapest, szigetfestival.com

Wilde Möhre Festival
Noch relativ jung ist das Wilde Möhre Festival, das seit 2014 jedes Jahr im August in der Nähe von Cottbus stattfindet. Eine treue Fangemeinde haben die Möhren recht schnell gefunden, was zum einen natürlich an dem ausgewählten Booking und zum anderen zweifelsfrei an der entspannten Atmosphäre und der schönen Location liegt, die von den Veranstaltern liebevoll gestaltet wird. Verwunschene Leuchtlabyrinthe mitten im Wald, ein kleiner Sekretär samt alter Schreibmaschine am Wegesrand – bei der Wilden Möhre gibt es ständig charmante Details zu entdecken. Der besondere Zauber, den dieses Festival umgibt, könnte viel mit der Philosophie des Möhren-Kollektivs zu tun haben. Ihr Anspruch ist es, ein ganzheitliches, faires und klimafreundliches Festival zu gestalten, bei dem die Bedürfnisse aller Beteiligten gleichermaßen berücksichtigt werden. „Möhrekonformes Handeln“ nennen die Initiatoren das. So gibt es auf dem gesamten Festivalgelände nur vegetarische und vegane Küche und das Rahmenprogramm beinhaltet viele Workshops zum Thema Nachhaltigkeit.
Wilde Möhre Festival, 09. bis 13. August, Göritz, wildemoehrefestival.de

Øyafestival
Keine Lust auf siffiges Ambiente? Dann seid ihr beim Øyafestival richtig. Kaum fällt mal ein Becher auf den Boden, sammelt ihn ein freiwilliger Helfer ein. Beim Øya kann man in seinen besten Klamotten auf Decken unter Bäumen sitzen – Exzesse finden woanders statt. In all den Festivaljahren gab´s keine einzige Festnahme, was auch daran liegt, dass hier kein Komasaufen angesagt ist – dafür ist nicht nur der Alkohol zu teuer, sondern die Menschen zu entspannt und wirklich gewillt, ausgewählte Musiker und Bands bewusst mitzubekommen. Von den fünf Bühnen werden parallel immer nur drei bespielt, was den Vorteil hat, dass man viel mehr Konzerte sehen kann als bei anderen Festivals. In den Pausen locken Biogerichte an den Essensständen und diverse Shops für Schallplatten, stilsichere Klamotten und Comics. Das Line-up hält bekannte Größe wie Patti Smith, Fever Ray, Lykke Li und Charlotte Gainsbourg bereits, gleichzeitig gibt es viele neue Acts, die in Norwegen bereits Superstars aber hierzulande noch unbekannt sind, zu entdecken!
Øyafestival 9.-13. August 2016 in Oslo, oyafestivalen.no/en

Text: Juliane Rump Foto Vogelball: Pablo Heimplatz