Die Pride-Saison: Bunt, queer, ausgelassen

Mehr ist mehr: In Berlin feiert die LGBTI-Community nicht nur den CSD sondern auch das lesbisch-schwule Stadtfest, der diesjährigen Europride findet erstmals in zwei Städten statt und im Hamburg bittet der Vogelball zum queeren Tanz. Die Community und ihre Freunde danken es. Um seine queeren Veranstaltungen können andere Städte Berlin nur beneiden. So beweist beispielsweise das lesbisch-schwule Stadtfest, dass auch Großveranstaltungen Spaß machen können. Während sich die LGBTIQ-Gemeinde in den letzten Jahren zwischen demregulären und dem alternativen CSD in Kreuzberg entscheiden musste, sind sich hier alle einig: Das Stadtfest rund um den Nollendorfplatz gehört zu den beliebtesten queeren Events der City. Das hat sich längst über die Berliner Stadtgrenzen hinaus und auch unter Heteros rumgesprochen.

So pilgern jedes Jahr rund 400.000 Gäste nach Schöneberg und bilden eine bunte feiernde Gemeinschaft. Zu der sich übrigens auch Anne Will gerne gesellt: Regelmäßig wird sie beim Stadtfest vor der legendären Clubbar „Hafen“ in der Motzstraße gesichtet. Neben politischen Forderungen steht natürlich das gemeinsame Feiern im Vordergrund. Unzählige Bands und DJs toben sich auf insgesamt fünf Bühnen aus. Eine Woche später geht die queere Feierei auch schon weiter; dann zieht die große CSD-Parade an der Siegessäule vorbei bis zum Brandenburger Tor. In der Vergangenheit wurde der Demo vorgeworfen, zu mainstream und inhaltslos zu sein. Das diesjährige Motto „Mein Körper – meine Identität – mein Leben!““ macht Hoffnung, dass eine starke Haltung wieder spürbarer wird.

Aber nicht nur in der Hauptstadt wird die CSD-Saison ausgiebig zelebriert. Auch in Hamburg erwartet die Community und ihre Freunde ein buntes Programm, das von der Eröffnungs-Gala über queere Filmvorführungen ihren Höhepunkt in der Parade am 4. August bildet und halb Hamburg zusammenkommen lässt. Auch in diesem Jahr startet die Parade in der Langen Reihe, schlängelt sich durch die Mönckebergstraße und den Glockengießerwall bevor sie am Alsteranleger am Jungfernstieg endet. Dort lässt es sich zwischen Buden und Bühnen gut aushalten, bevor auf dem queeren Vogelball weitergefeiert wird.

Der queere Maskenball versammelt alljährlich eine kunterbunte Vogelschar zu elektronischen Klängen und bittet ein achtes Mal zum wilden Balztanz. Das für Offenheit und Akzeptanz stehende Festival vereint zahlreiche queere, lesbische, schwule und transsexuelle Künstler*innen auf der Bühne. Die Paradiesvögel von RSS Disco, die ordentlich Love and Happiness in ihrer musikalisch schwebenden Leichtigkeit verströmen, sind dem gefiederten Partyvolk schon bekannt. Die britische Musikerin Nabihah Iqbal, die erst vor Kurzen den Namen „Throwing Shade“ ablegte und jetzt unter ihrem echten Namen produziert, sich auf ihre britisch-asiatischen Wurzeln rückbesinnend, seziert in ihrem neuen Album „Weighing of the Heart“ den britischen Wave- und Elektropop der Achtziger.


Doch damit nicht genug; zwei weitere queere Ikonen lassen den Vogelschwarm strahlen:nNeben Honey Dijon, einer der aktuell gefragtesten House DJs, wird auch Kim Ann Foxman mit ihren ekstatischen Ballroom-Hymnen zu hören sein. Wer es gerne noch eine Nummer größer hätte, darf die diesjährige Europride nicht verpassen. Zum ersten Mal wird diese von zwei Städten ausgetragen und zieht in den
Norden: Es wird sowohl in Stockholm (27. Juli – 5. August) als auch in Göteborg (14. – 19. August) gefeiert.Zu den Aktivitäten und Events werden hunderte Diskussionsveranstaltungen, Seminare und Workshops gehören sowie Bühnenshows, Partys und die große EuroPride Parade.

Lesbisch-schwules Stadtfest, 21./22. Juli, jeweils ab 11 Uhr, stadtfest.berlin.de
Christopher-Street- Day-Demo, 28. Juli, ab 12 Uhr, csd-berlin.de
Hamburg, 4. August, csd-hamburg.de
VOGELBALL Hamburg, 4. August 2018, Hamburg-Wilhelmsburg/Dockville Gelände, facebook.com/VOGELBALL
Europride, Götheburg & Stockholm, 27. Juli – 5. August 2018, europride2018.com